Archivgemeinschaft der Stadt Bad Lauterberg im Harz.
Kapitänleutnant a.D. Helmut Lüder

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Die Burgruine Scharzfels

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Das Jahr der Erbauung der Burg Scharzfels ist nicht mehr feststellbar. Die Burganlage befand sich zur Zeit der Salier (1024 - 1125) im Besitz des Erzstiftes Magdeburg. Königswitwe Mathilde, Gemahlin des Königs Heinrich I., gründete um 950 mit ihren Eigengütern das Kloster Pölde, welches ihr Großsohn Otto II. und Theophanu seine Ehefrau (eine byzantinische Prinzessin), im Jahre 981 dem Mauritiuskloster und der erzbischhöflichen Kirche in Magdeburg vermachten. Wahrscheinlich ist die Burg im 11. Jahrhundert zum Schutze des Klosters Pölde angelegt worden.

Im Zuge eines Gütertausches zwischen dem deutschen König und späteren Kaiser Lothar III. und dem Erzbischof Norbert von Magdeburg überließ Lothar III. dem Erzbischof die Reichsabtei Alsleben an der Saale und erwarb dafür die Burg Scharzfels; so geschehen im Jahre 1131 auf dem Hoftage in Goslar. In der Urkunde heißt es:

"...CASTRUM QUODDAM SCARTVELT NOMINATUM IN MONTANIS QUE HARZ DICUNTUR...", ("...die Burg Scharzfels mit Namen in dem Gebirge, das Harz genannt wird...").

Anno 1132, also fast unmittelbar nach dem Erwerb der Burg Scharzfels im Jahre 1131 durch Lothar III., erscheint in den mittelalterlichen Urkunden der Edle Sigebodo, genannt von Scharzfels "...DE CASTRO SCAREFELDEN...". Er war Stammvater der Grafen von Scharzfels und Lutterberg und von Lothar III. offenbar als Verwalter des Reichgutes und des umliegenden Königsforstes Harz eingesetzt worden. Sowohl unter Lothar III. als auch unter dessen Nachfolger Konrad III., dem ersten Staufer auf dem deutschen Königsthron (1138), hat er - nicht nur im engeren Harzraum - eine wichtige Rolle gespielt, die ihm schließlich die Grafenwürde einbrachte.

Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) übergab am 1. Januar 1158 die Reichsburgen Scharzfels und Herzberg sowie den Königshof in Pölde an seinen Vetter, Herzog Heinrich den Löwen. Als Gegenleistung erhielt er dafür die badischen Güter der 1. Gemahlin des Welfen, der Clementia von Zähringen.

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Burg Scharzfels nach dem Merianstich von 1654

Mit diesem Tausch hörte Scharzfels auf, ein Reichsgut zu sein. Es ging in den Besitz des Welfen ein. Die Grafen von Scharzfels traten als Vasallen aus dem Dienst des Reiches aus und kamen unter die Lehnshoheit Heinrich des Löwen.

Anno 1172/ 1173 begleitete Sigebodo II. von Scharzfels den Welfenherzog Heinrich den Löwen auf seiner Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten des Christentums nach Jerusalem.

In der Zeit um 1195 gründete das Grafengeschlecht derer von Scharzfels eine neue Linie auf der benachbarten Burg Lutterberg. Darüber hinaus spielte das Grafengeschlecht derer von Scharzfels - und hier insbesondere in der Zeit des Grafen Sigebodo II. - auch in der Geschichte des Reiches eine bedeutende Rolle. In nahezu 50 Urkundenbezeugungen deutscher Könige und Kaiser findet dies ihren sichtbaren Ausdruck, in Form ihres Zeugnisses. Ihr Ansehen an Macht und Würde schwand mit dem Untergang der Staufer um 1254.

Bei der Aufteilung der Güter Heinrich des Löwen durch seine Söhne Heinrich, Wilhelm und Otto im Jahre 1202 wurden Otto (dem späteren Kaiser Otto IV.) u.a. die Harzburgen Hertesberch (Herzberg), Scartvelt (Scharzfels), Lutterberge (Lauterberg), Hanistein (Honstein) und Rodenburg (Rothenburg) zugesprochen.

Die Grafen von Scharzfels und Lutterberg prägten das politische Bild am Südwestrand des Harzes über einhundertfünfzig Jahre als Vasallen Heinrich des Löwen und dessen Nachfolger. Die Grafen von Scharzfels verschwanden 1295 aus unerklärlichen Gründen aus der Urkundenüberlieferung. Der letzte Graf von Scharzfels war Burchard IV. Ihre Verwandten, die Grafen von Lutterberg, hatten ihre Grafschaft noch weitere hundert Jahre inne.

Die Grafschaften Scharzfels und Lutterberg gehen 1402 als Lehen an die Grafen von Honstein, welche die Burganlage Scharzfels als Wohn- und Witwensitz nutzen.

Am 18. Juli 1593 war der letzte Graf von Honstein, Ernst VII., ohne Erben im Kloster Walkenried gestorben. Der auf der Burg Herzberg residierende Herzog Wolfgang von Braunschweig-Grubenhagen zog unmittelbar nach bekanntwerden dieses Todesfalles - nicht ohne Gewaltanwendung - die Grafschaft Scharzfels und Lutterberg als heimgefallene Lehnstücke ein.

Auch die Braunschweig-Grubenhagener konnten sich des Besitzes nicht lange erfreuen, denn mit dem Tode Herzog Philipps II. (1596) starb das Geschlecht aus. Unter Überspielung der übrigen welfischen Lehnsanwärter bemächtigte sich danach Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel des gesamten Fürstentums Braunschweig-Grubenhagen. Sein Sohn Friedrich Ulrich wurde erst durch kaiserlichen Richtspruch im Jahre 1617 gezwungen, das gesamte widerrechtlich besetzte Land, an die erbberechtigten Herzöge von Braunschweig-Lüneburg abzutreten. So wechselten die Grafschaften Scharzfels und Lutterberg in 24 Jahren -zwischen 1593 und 1617- viermal die Landesherrschaft. Ein für die Weiterentwicklung der Region sehr ungutes Unterfangen.

Die Burg Scharzfels wurde 1627 durch den Herzog von Braunschweig-Lüneburg mit einer Garnison besetzt, stark befestigt und später als Staatsgefängnis benutzt. Der steile Felsen mit seiner Burganlage galt als uneinnehmbar und ist auch im 30jährigen Krieg nicht erobert worden.

Politische Geschichte machte die Burganlage am Ende des 17. Jahrhunderts. Die Kammerzofe und Vertraute der Prinzessin Sophie Dorothea der Ehefrau des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover und des späteren König Georg I. von Großbritannien, Eleonore von dem Knesebeck, wurde hier nach der Ermordung des Grafen Königsmarck (dem Geliebten der Prinzessin Sophie) von Februar 1695 bis 1697 als Staatsgefangene festgehalten. Sie konnte 1697 aus dem Gewahrsam entfliehen.

Im 7-jährigen Krieg spielte die Burganlage aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage wieder eine herausragende Rolle, als sie sich 1761 nach tapferer Gegenwehr - angeblich infolge Verrats - den französischen Soldaten unter dem General Vaubecourt ergeben mußte. Die Burgbesatzung, 250 Invaliden und 40 Artilleristen, ergaben sich. Die zur Besatzung gehörenden 100 Harzschützen konnten sich der Umklammerung der französischen Truppen jedoch entziehen.

General Vaubecourt ließ die Burganlage auf den grauen Felsklippen sprengen und die Trümmer anstecken, so daß heute nur noch Fragmente dieser Burganlage zu sehen sind.

Oberlehnsherren der Burg Scharzfels ab dem Jahre 1158 waren die Herzöge von Braunschweig- Grubenhagen, nach deren Aussterben die Herzöge von Braunschweig- Wolfenbüttel und danach die Herzöge von Braunschweig- Lüneburg. Es folgten der Kurfürst von Hannover (ab 1692) und "last but not least" der König von Hannover (1814 bis 1866).

Auf Anordnung König Georg V., des letzten Königs von Hannover wurden Teile der Burganlage (Burgtreppe und Burgtor) im Jahre 1857 erneuert.

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Das erneuerte Tor in der Ruine Scharzfels 1857

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Die Freitreppe in der Ruine Scharzfels 1857

Ein nach Zeichnungen und Abbildungen gefertigtes Modell der Burganlage Scharzfels ist im Heimatmuseum der Stadt Bad Lauterberg zu sehen.

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Eingang zur Ruine Scharzfels heute