Die Geschichte

Die Ortsteile und des ländlichen Umfelds

Bis zur Auflösung der Ämterverfassung gehörten Bartolfelde, Barbis, Osterhagen und Steina (ab1680) neben Lutterberg zum Amt Scharzfels. Bei der Gebietsreform in den Jahren 1972 bis 1979 wurde Bad Lauterberg mit den Dörfern Barbis, Bartolfelde und Osterhagen zu einer Einheitsgemeinde zusammengefasst. Steina wurde als Ortsteil Bad Sachsa zugeteilt. Die Geschichte der Dörfer lässt sich teilweise ähnlich weit zurückverfolgen wie die Bad Lauterbergs.

Bartolfelde

Das Dorf Bartolfelde ist wahrscheinlich als ältester Ort der mittelalterlichen Besiedlungsepoche am Ortsrand der Grafschaft Lutterberg entstanden, deren Grafen, wahrscheinlich Heidenreich I., als Gründer angesehen werden müssen. Die Ortsgründung dürfte vor 1200 erfolgt sein. Die mittelalterlichen Namensformen sind unterschiedlich.

So wurde der Ort:

1203 "Bardenvelt",
1222 "Bardevelt",
1240 "Bradelvelt" und
1250 "Bardelvelde" genannt.

Diese Namenszusammenstellung, die bestimmt noch weiter fortgesetzt werden könnte, beweist aber auch, dass Bartolfelde ein sehr altes Dorf ist.
Bereits 1203 werden die Ritter Hermann und Dietrich von Bardenvelt als Dienstmannen des Grafen Heidenreich I. von Lutterberg genannt. Dieses Lauterberger Ministralengeschlecht (unfreie Ritter), die Herren von Bartolfelde genannt, ist bis 1270 im Dienste der Grafen von Lutterberg nachweisbar und als Zeuge in vielen Urkunden erwähnt.
Ob das Geschlecht damals ausstarb, lässt sich nicht mehr ermitteln. Es ist allerdings verwunderlich, das 1279 zwei gleiche Namensträger Thilo und Ernst von Bardevelt als Consules (Ratsherren) und Bürger von Nordhausen urkundlich nachweisbar sind. Der Ort selbst, der zeitweilig zu Thüringen gerechnet wurde, wird erstmals 1260 genannt. Er könnte aber auch mit der Ortsbezeichnung „Villa Barofelde“ identisch sein, die bereits um 1000 in einem Güterverzeichnis des Klosters Fulda aufgeführt ist.
Auch kirchenrechtlich scheint der Ort zeitweilig zu Thüringen gehört zu haben. In einem kirchlichen Steuerverzeichnis von 1506 wird Bartolfelde zum thüringischen Kirchensprengel Bleicherode (Archidiakonat Jechaburg)gerechnet, während die anderen umliegenden Kirchen zum Bereich Berka (des Erzpriestersitzes Nörten) gehörten.
In der Nähe von Bartolfelde war eine alte Thing- und Gerichtsstelle, denn als im Jahr 1260 die Brüder Hermann und Ludolf von Oldershausen dem Kloster Walkenried Güter in der Nähe von Liebenrode und Sachsenwerfen schenkten, ist dieser Rechtsakt (Vertrag) auf den Berge abgeschlossen worden, der zwischen Bardevelde und Berengoze liegt
<…in monte qui es situs inter bardelvelde et berengoze …> (Übersetzt: … auf dem berge zwischen Bartolfelde und Barbis …)

Setzt man Berengoze (Bärenbach) mit Barbis gleich, dann lässt sich dieser berg ermitteln. Es handelt sich wahrscheinlich um eine der Anhöhen, also die Westersteine, den Röhlberg oder evtl. die Koldung, aber das ist spekulativ.
Anno 1303 wird ein Pfarrer Volkmar von Bardelvelde in einer Urkunde Graf Ottos II. von Lutterberg erwähnt. Eine weitere Persönlichkeit des Ortes ist der Bartolfelder Schäfer Hans Arnold, welcher einer der Anführer des Bauernkrieges von 1525 war und der mit seinen Rotten raubend und plündernd durch das Land zog. Das Kloster Walkenried wurde von seinen Truppen schwer heimgesucht. An der Entscheidungsschlacht des Bauernkrieges im Jahre 1525 bei Frankenhausen in Thüringen schient er als Anführer der „Südharzer Bauern“ allerdings nicht teilgenommen zu haben.
Eine pfarrgeschichtliche Begebenheit ist die Amtszeit des Bartolfelder Pfarrers Ehrn Flach (1688 - 1705). Dieser ging in seiner bestimmt nicht reichlichen Freizeit der Falschmünzerei nach. Dieses Verbrechen brachte ihm am 09.07.1706 den Tod auf dem Scheiterhaufen und seine zwei Komplizen, den Kleinschmiedegesellen (Gauern) Ahlert und Ruß und seinem Schwiegervater, dem Amtmann Dencker von Imbshausen bei Northeim, das Schaffott. Die Hinrichtung ist im Kirchenbuch der Garnisonskirche in Hannover vermekrt.

Barbis und Königshagen

Über das Dorf Barbis gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse zur älteren Geschichte. Es gibt hier eine wissenschaftliche Disharmonie zwischen Experten um den Namen „Berengoze“. So vermutet die eine Expertenrichtung unter dem Namen Barbis eine slawische Siedlung und unter Berengoze eine unbekannt Wüstung, während die andere Gruppe annimmt, dass Berengoze mit Barbis identisch ist.
Neuere Forschungsergebnisse im Bereich der Ortsnamen leiten den Ortsnamen von Berbek(e) ab, was Waldbach bedeutete. Es gibt aber keine urkundlichen Belege von einem Ort oder einer Siedlung Berbeke in dieser Region, wohl aber von Berengoze 1260/1527 und Berbißen 1556/1580. Letztmalig wurde Berengoze als Kirchdorf im Sedes Berka im Jahr 1527 genannt. Die erstmalige urkundliche Nennung von Berbißen fand im Jahr 1556 seine Niederschrift. Da Berbißen im Erbzinsregister von 1580 bereits 117 Hausstellen hatte, wäre eine Neugründung des Ortes unwahrscheinlich.
Vermutlich ist eine Umbenennung des Ortes zwischen 1527 und 1556 erfolgt. Der Grund für diesen ungewöhnlichen Vorgang der Umbenennung muss allerdings offen bleiben. Es könnte an der Verschiebung der mitteldeutschen und niederdeutschen Sprachgrenze liegen, die im Harz verläuft.
Barbis war nach Lauterberg die zweitgrößte Siedlung im genannten Bereich. Am Rande des Ortes liegen die Gebäude des schon 1499 genannten Vorwerks Neuhof, dieser war bis 1859 der Sitz des Amtes Scharzfels. Nach 1870 wurde aus dem Vorwerk eine Domäne, die zwischen 1950 und 1960 aufgesiedelt wurde.
Königshagen <Indago regis>, eine Wüstung in der Nähe von Barbis wurde 1961/62 durch Professor Walter Janssen von der Universität Bonn wissenschaftlich erschlossen. Dieser Ort wurde anno 1228 erstmals in einer Urkunde des Grafen Heidenreich I. von Lutterberg genannt, der damals Ort und Kirche dem Kloster Pöhlde schenkte. Um 1150 wurde der Ort gegründet und wahrscheinlich wie der Ort Widagerode in der Fehde zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Grafen von Honstein um 1420 zerstört.

Osterhagen und Steina

Das Dorf Osterhagen ist wahrscheinlich als letzter Ort am Ortsrand der Grafschaft Lutterberg entstanden. Die Ortsgründung dürfte um 1200 erfolgt sein. Die erste Erwähnung ist in einer Urkunde des Grafen Burchard des Weißen von Lutterberg vom Jahr 1257 enthalten. Dieser hatte ein Jahr zuvor dem Kloster Walkenried einen Steinbruch zum Wiederaufbau der Reichsabtei geschenkt. Im Jahr 1257 stellte er in Übereinstimmung mit seinen Söhnen eine weitere Urkunde aus.
In dieser heißt es im Zusammenhang mit der Nutzung des Steinbruchs durch das Kloster Walkenried (Ausschnitt):

"Ferner haben wir alle unsere Lehensleute, in welcher Lage sie auch immer waren, berichtet, trotz des ihnen verursachten Verlustes, im Bereiche des Steinbruches und herum in Äckern und Wiesen, von der Familie zusammenzukommen oder von Zugtieren, zu stellen, und dem Theoderich von Osterhagen haben sie einen ferto (= 1/4 Mark oder Pfund) Silbers für eine Wiese gegeben. Und dazu von derselben Hufe Scheffel der Kirche zu Osterhagen gegeben worden waren, ist der Pfarrer auf unsere Bitte willfährig gewesen, und wir haben versprochen, die Widerherstellung zu machen, Ersatz zu geben, auf diese Weise sind der Abt und Convent vom Scheffelrecht und Zehntlasten von der selben Hufe durch uns frei und uneingeschränkt gemacht worden.“

Von 1640 bis zur Auflösung der Ämterverfassung gehörte auch Steina zum Amt Scharzfels. Der Ortsname ist identisch mit dem Flüsschen Steina, jedoch ist der Gewässername älter als der Ortsname. Sprachforscher sagen, dass man dieses daran erkennt, dass auch heute noch in der Mundart des Ortes der Ortsname feminin (weiblich) dekliniert (gebeugt) wird, wie ein Gewässername: „nach oder in der Steine“. Dem Namen Steina begegnet man zuerst in zwei Urkunden des Klosters Walkenried von 1268 und 1289, er bezeichnet in beiden Urkunden erstmalig den Bach Steina.
Die erste Erwähnung des bereits bestehenden Dorfes Steina ist aus dem Jahre 1449 überliefert.
Heinrich von Watterodt zu Mauderode kaufte den halben Ort Steina, den sein Bruder Friederich von Watterodt kurz vorher an die Mönche des Klosters Walkenried verpfändet hatte, zurück. Dass der Ort Steina erst so spät in den Quellen auftaucht, kann Zufall in der Überlieferung sein, es kann aber auch die Tatsache wieder spiegeln, dass der Ort wirklich erst später entstanden ist.

(Quelle: Archivgemeinschaft Bad Lauterberg)