Geschichtliche Entwicklung

Von der Grafenburg zum modernen Kneipp-Heilbad

Von der Grafenburg, die einst den Gipfel des Hausbergs krönte, über die "gewessene Bergstatt" bis zum modernen Kneipp-Heilbad spannt sich der Bogen einer mehr als 800-jährigen Geschichte Bad Lauterbergs.

Diese drei Abschnitte kennzeichnen das geschichtliche Werden des Ortes, der früher bis um 1530 den Namen Lutterberg trug, wie die genannte Burg, eine Bezeichnung, die heute noch im örtlichen Dialekt im Ortsnamen "Lutterbarge" ein sprachgeschichtliches Denkmal bildet.

Das Grafengeschlecht derer von Lutterberg, das seit der Zeit um 1195 sich vom älteren Familienstamm Scharzfeld trennte und eine eigene Linie begründete, hat im Bunde mit diesen nicht nur in der Harzgeschichte seine Spuren hinterlassen, sondern, besonders in der Zeit des Grafen Sigebodo II, der sich 1183 erstmals nach Lutterberg benennt, auch in der Reichsgeschichte eine wichtige Rolle gespielt, die in fast 50 Urkundenbezeugungen der deutschen Könige und Kaiser ihren sichtbaren Ausdruck fand. Von 1131 bis 1398 prägten sie das politische Bild im südwestlichen Harz.

Als 1398 mit Graf Heidenreich III. von Lutterberg genannt Heyso das Geschlecht ausstarb, verlehnten die Landesherren, die Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen, die Herrschaften Scharzfeld und Lutterberg mit den Dörfern Barbis, Bartolfelde, Osterhagen und Steina an die in Nordthüringen ansässigen Grafen von Honstein. Nach dem Chronisten Letzner (1588)soll sich allein die Grafschaft Lutterberg über 350 Berge und Täler erstreckt haben.

Die Grafen von Honstein waren nicht nur um das Wohlsein der neuen Untertanen bemüht, sondern hatten schon früh eine Neigung zum Bergbau entwickelt mit dem Vorsatz, den schon im 12. und 13. Jahrhundert im Harz umgehenden Bergbau zu einer neuen Blüte zu bringen. 1521 und 1527 erließen sie die sogenannten "Bergfreiheiten", eine Art "Green Card", in denen sie fremden und einheimischen Bergleuten zahlreiche Vorrechte und Privilegien einräumten.

Die Wirkung blieb nicht aus, denn besonders aus den Revieren des sächsischen Erzgebirges und aus Franken, zogen zahlreiche Bergknappen und Hüttengewerke in den Harz.

Aber im Lauterberger Revier wurden die hochgesteckten Erwartungen der Grafen nicht erfüllt; die Silberadern waren nicht mächtig genug, um einen lohnenden Bergbau zu betreiben. Der Aufstieg des benachbarten St. Andreasberg, wo reiche Silbererzgänge erschlossen wurden, war die Folge. Dennoch war nach 1680 ein neuer Aufschwung zu verzeichnen, als man auf Kupfer stieß. Zahlreiche neue Hütten, Schächte, Teiche und Gräben, deren Reste man noch heute in der Lauterberger Forst findet, wurden angelegt.

Die besten Zeiten waren die Jahre zwischen 1740 und 1760, allein in der Grube "Kuperrose" wurden in 5 Jahren 40.000 Zentner reines Kupfer abgebaut und auf der nahen Kupferhütte ausgeschmolzen.

Aber nicht alle Gruben waren so erfolgreich, viele wurden mit Verlust betrieben, der den raschen Zusammenbruch sämtlicher Kupfergruben und Hüttenwerke wegen mangelnder Anbrüche schon ankündigte. Um 1840 kam der Bergbau vollkommen zum Erliegen, für die Bevölkerung ein harter Schlag, denn zahlreiche Menschen hatten hier Arbeit und Brot gefunden. Die Gebäude wurden 1860 an die Forst verkauft.

Aber auch von anderen Schicksalsschlägen blieb die Fleckensgemeinde Lauterberg im Laufe der Zeiten nicht verschont. In einer Fehde zwischen dem Herzog Erich von Braunschweig-Grubenhagen und den Grafen von Honstein, die 1415 in der Schlacht bei Osterhagen für den Herzog siegreich entschieden wurde, sank auch die alte Burg Lutterberg in Trümmer und ist nie wieder aufgebaut worden. 1499 fiel Herzog Philip von Braunschweig-Grubenhagen, wahrscheinlich wegen Grenzstreitigkeiten mit den Grafen von Honstein mit bewaffneter Hand in die Grafschaft ein, zerstörte das Vorwerk Neuhof, brannte die Orte Lutterberg und Barbis nieder und plünderte noch mehrere andere aus.

Der härteste Schicksalsschlag traf Lauterberg während des 30-jährigen Krieges. Als die Gemeinde am Sonntag, dem 12. September 1641, "unter dem Gesang des Glaubens" in der Kirche Gottes Segen herabflehte, überfiel eine Rotte marodierender Soldaten im Bunde mit Bauern vom Eichsfeld den Ort, steckte ihn an allen Ecken in Brand, raubte und plünderte und suchte unter Mitnahme der Viehherden das Weite. Alles Nachjagen seitens der Schützen blieb ohne Erfolg. Nur drei Häuser sollen vom Feuer verschont geblieben sein. 1667 und 1697 vernichteten weitere Großbrände den Ortskern Alt-Lauterbergs.

Und noch einmal wütete die Kriegsfurie in Lauterberg, als in den Apriltagen 1945 zahlreiche Gebäude durch amerikanischen Artilleriebeschuß zerstört und viele Menschen getötet wurden.

Es spricht für den ungebrochenen Mut der Harzer, daß sie sich durch solche Katastrophen nicht entmutigen ließen und neu ans Werk gingen.