Die Entwicklung

zum Kneipp-Heilbad und Schroth-Kurort

Wenn in einem alten Bericht von 1620 die Lebensweise und wirtschaftliche Lage in Lauterberg durch den Hinweis charakterisiert wird, daß kaum fünf Bauern eine notdürftige Nahrung fänden, der Rest der Bevölkerung sich aber durch Köhlern und Holzhauen kärglich aus dem Harze ernähren müsste, so trifft diese Situation auch auf die Zeit des ausgehenden Bergbaues zu. Es gab mehr Not als Brot und viele Familien, meist mit einer hohen Kinderzahl gesegnet, nagten am Hungertuch. Das war auch dem seit 1826 in Lauterberg praktizierenden Amtsarzt des Amtes Scharzfels, Dr. Ernst H. B. Ritscher, nicht verborgen geblieben, der auch die umliegenden Dörfer medizinisch zu betreuen hatte. Bei seinen Krankenbesuchen war ihm der schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung, hervorgerufen durch Unterernährung, Silikose und Tuberkulose, kein Geheimnis geblieben und er sann auf Mittel und Wege, dies zu ändern.

Damals machte der schlesische Bauer Vinzenz Prießnitz von sich reden, der durch seine Kaltwasserbehandlung gute Heilerfolge erzielt hatte. Ritscher, in der Absicht ihm zu folgen, machte die weite Reise nach Gräfenberg in der Postkutsche und obwohl ihm Prießnitz kaum Einsicht in seinen Kurbetrieb nehmen ließ, war Ritscher auf der Rückreise zu dem Entschluß gekommen, in Lauterberg, das alle Voraussetzungen wie Wasser, Wald, gesunde Luft bot, eine ähnliche Kaltwasserheilanstalt einzurichten. Mit Hilfe gleichgesinnter Männer, dem Bürgermeister Westerhausen, dem Mühlenbesitzer Germelmann und dem Forstmeister von Berg, ging er ans Werk und im Sommer 1839 konnte er mit 12 Kurgästen seine Behandlung beginnen. Als er 1859 viel zu früh verstarb, führten seine Söhne Diedrich und später Hermann das Werk des Vaters unter Anpassung an neuere medizinische Kenntnisse weiter. Ein stetiges Anwachsen der Kurgastzahlen blieb nicht aus, schon um die Jahrhundertwende konnten mehr als 3.000 Gäste im Jahr gezählt werden. Auch nach außen hin wurde der Aufwärtstrend sichtbar, als die Regierung im Jahr 1906 der Fleckensgemeinde die Berechtigung verlieh, sich künftig "Bad" Lauterberg im Harz nennen zu dürfen. Mit dem Sanitätsrat Dr. Josef Mayer, der von München kam, wurde 1926 die Kneippsche Therapie eingeführt und bestimmt seitdem die balneologische Betreuung der Kurgäste.

Obwohl die beiden Weltkriege schwere Zeiten brachten, konnte sich Bad Lauterberg im Harz doch relativ rasch erholen. Das inzwischen fast 175 Jahre alte Bad wurde durch zahlreiche Neuerungen und Bauten auf den heutigen Stand gebracht. Aus den 12 Kurgästen des Jahres 1839 sind es nunmehr jährlich über 100.000 mit 610.000 Übernachtungen geworden.

Durch den am 1.7.1972 vollzogenen Zusammenschluß der Orte Bad Lauterberg im Harz, Barbis, Bartolfelde und Osterhagen zur Einheitsgemeinde bzw. Stadt hat Bad Lauterberg im Harz in etwa 12.700 Einwohner. Inzwischen hat die Stadt Bad Lauterberg im Harz freundschaftliche Beziehungen mit dem Kneipp-Heilbad Berggießhübel, Land Sachsen, aufgenommen. Ein entsprechender Freundschaftsvertrag wurde am 8.6.1991 abgeschlossen.